
„Durch Dich will ich die Welt sehen.“
About the event
Am 29. Dezember 2026 jährt sich der Todestag von Rainer Maria Rilke zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass widmet sich dieses Programm einer der wichtigsten Beziehungen seines Lebens: jener zu der Schriftstellerin und Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé. Die ältere Lou prägte Rilke auf entscheidende Weise: Sie stärkte sein Selbstbewusstsein als Dichter, gab ihm den Namen „Rainer" anstelle von „René" und eröffnete ihm neue intellektuelle Horizonte. Auch nach dem Ende ihrer Liebesbeziehung blieb zwischen beiden eine tiefe Verbundenheit bestehen, die sich in einem intensiven Briefwechsel fortsetzte.
Unter dem Titel „Durch Dich will ich die Welt sehen."- einer Zeile Rilkes an Lou Andeas Salomé - lesen Katharina Lorenz und Felix Kammerer aus diesem eindrucksvollen Austausch. Darin begegnen wir dem jungen Rilke als Suchenden: voller Klagen, Fragen und Bitten, zugleich aber auch erfüllt von Mitteilungen über sein wachsendes Werk. Lous Antworten empfängt er wie Heilmittel, liest sie immer wieder und sucht in ihnen Halt. Sie wiederum erkennt mit großer Klarheit, dass gerade seine Unruhe und seine besondere Durchlässigkeit Voraussetzungen seiner Dichtung sind – dass er den Gefahren ausgesetzt bleiben muss, um Dichter zu sein.
Burgschauspieler Felix Kammerer, der durch seine Rolle im oscarprämierten Film „Im Westen nichts Neues" einem internationalen Publikum bekannt wurde, leiht diesem jungen fragilen Rilke seine Stimme - zwischen Empfindsamkeit, innerer Unruhe und Intensität. An seiner Seite gestaltet Katharina Lorenz den Abend als die kluge und geistig wache Lou Andreas-Salomé. Die vielseitige Schauspielerin gehört wie Kammerer dem Ensemble des Burgtheaters an und stand mit ihm unter anderem in Arthur Schnitzlers „Reigen" auf der Bühne. Bereits in einer viel beachteten Filmbiografie hat sie Lou Andreas-Salomé verkörpert; auch an diesem Abend wird sie ihr eine eindringliche Stimme geben. Für beide ist es der erste Auftritt im Musikverein.
Ergänzt wird der Briefwechsel durch Gedichte und weitere Texte von Rilke und Lou Andreas-Salomé. Auch die musikalische Gestaltung knüpft an diese künstlerische und geistige Welt an: Sie greift Rilkes enge Verbindung zu Russland auf – einem Land, das er gemeinsam mit Lou Andreas-Salomé bereiste und dessen Kultur und Spiritualität ihn tief beeindruckten. Kompositionen von Tschaikowski und Rachmaninow stehen ebenso auf dem Programm wie Werke von Ferruccio Busoni und Dora Pejačević, die beide Rilke persönlich kannten.




